Turku, Juva und Loma-Koli in Finnland

Sonntag, 19.07.2015, 3. Tag

… vom Schärengarten zum Schärenmeer …

Vor dem Klingeln des Weckers im Handy sind wir wach und entern bald schon das Oberdeck. Hier haben wir noch etwa 45 Minuten Zeit. Bei 15°C scheint die Sonne herrlich und taucht die vielen einsamen Inseln in schönes Licht. Anfangs sind die Inseln alle leer und unbewohnt. Je näher wir zum Festland kommen, umso bewohnter werden auch die Inseln. Schicke Häuschen stehen hier!

Das Schärenmeer (finnisch Saaristomeri, schwed. Skärgårdshavet) ist ein Teil der Ostsee vor der Südwestküste Finnlands. Das Schärenmeer liegt zwischen dem finnischen Festland und der Inselgruppe Åland, im Süden wird es vom Finnischen Meerbusen, im Norden vom Bottnischen Meerbusen begrenzt. Das Meeresgebiet ist mit tausenden Schären und Klippen durchsetzt. Den Archipel im Schärenmeer bezeichnet man gemeinhin nach der Stadt Turku (schwed. Åbo) als „Turkuer Schären“ (finnisch Turun saaristo).*

Wir sind erstaunlich allein auf dem Freideck, als wir durch die Schären kommen und in Turku einlaufen … es ist auch noch früh.

Turku, Finnland

Nach dem Anlegen geht es sehr organisiert und schnell zur Sache. Bald sind wir dran und fahren auf finnischen Boden. An den Verkehr muss man sich nicht gewöhnen, es läuft so, wie wir ihn kennen. In Finnland ist „ruhiger Verkehr“. So wird nur in Notsituationen die Hupe gebraucht und sehr defensiv gefahren.

Wir verlassen Turku in Richtung Helsinki, Fernziel: Lathi. Der Gedanke ist: den dichtbesiedelten Teil Finnlands bald hinter uns lassen und weiter nördlich in unseren Urlaub starten. Im Moment aber sind wir noch auf der Autobahn und hier ist es weder romantisch, noch ausgesprochen „finnisch“.

Doch was ist eigentlich dieses typisch Finnische– was erwarten wir überhaupt? 
Sind es die Finnhütten, bei denen das Dach bis auf den Boden reicht, oder sind es Spuren der auffälligen Rockbands, die man beim Eurovision Song Contest gesehen hat, oder sind es die orangen Briefkästen, oder die vielen, vielen Seen? Sind es die ewigen, schier unendlich-riesigen Wälder, die hauptsächlich aus Nadelbäumen und Birken bestehen, der Weihnachtsmann, der in Rovaniemi sein zu Hause haben soll oder die oft erwähnten Elche, Rentiere oder Braunbären?

Es ist immer wieder interessant etwas über die Länder zu erfahren, die wir bereisen. Kerstin liest aus dem Buch vor, während wir weiter auf der langweiligen, eintönigen Autobahn unterwegs sind …

Gebrauchsanweisung für Finnland

So erfahren wir gerade, das die Finnen ihr Land sehr lieben, das die meisten Finnen natürlich-blonde Haare haben, sie sich diese aber gern dunkel färben, während sie sonst nicht so sehr auf Äußerlichkeiten bedacht sind. Auch bei der Kleidung steht die Funktionalität im Vordergrund, während das Aussehen dabei durchaus in den Hintergrund rücken kann. Dieses „Hintergrundwissen“ erfahren wir aus dem Buch
Gebrauchsanweisung für Finnland
von Roman Schatz und wenn es sich anbietet verarbeite ich es aus dem Gedächtnis gern in meinen Texten. (… erkennst du an der Kursiv-Schrift)

Wir sind einfach gespannt und lassen – ohne bestimmte Erwartungen – das Land auf uns wirken. Laut Gebrauchsanweisung soll es tatsächlich noch ca. 1500 Braunbären in Finnland geben und der letzte tödliche Angriff auf einen Menschen ereignete sich erst 2006… (ein Jogger mit Kopfhörern hörte die Warnsignale des Bären nicht …) Angriffe auf Menschen hingegen kommen öfters vor, meist sind es Waldarbeiter oder Jäger, die die Tiere aus dem Winterschlaf wecken …

Das Wetter ist heute sehr wechselhaft. Überwiegend scheint die Sonne, jedoch hin und wieder kommt auch ein ordentlicher Regenschauer herunter. Gerade planen wir eine Pause einzulegen und fahren deshalb nach

Lahti 

Lahti [ˈlɑhti] ist die siebtgrößte Stadt Finnlands. Sie liegt ungefähr 100 km nördlich von Helsinki in der Landschaft Päijät-Häme am See Vesijärvi.*

Aus der Ferne sehen wir die Skischanzen und fahren durch den Ort, als das Wetter sich wieder von seiner schlechten Seite zeigt. Wir halten nicht an und fahren weiter. Die Temperatur schwankt zwischen 18 und 24°C und die Fahrerei zieht sich heute besonders lang hin. Als der Regen aufhört, biegen wir von der Hauptstraße ab und machen etwas abgelegen nun doch noch eine kleine Pause und essen eine Kleinigkeit. Für solche Momente haben wir immer ein Fertignudelgericht dabei.

Das Wetter stabilisiert sich während unserer Rast. Wir können draußen essen. Gestärkt geht’s zum heutigen „Endspurt“. Zum Einen freuen wir uns den dichtbesiedelten Süden zu verlassen, zum Anderen wollen wir nun endlich auf unsere Freunde treffen. Die suchen einen Platz für die Nacht und fahren dabei Stück für Stück weiter, sehen wieder und wieder einen Campingplatz an und wenn er nicht so richtig passt geht es zum nächsten Platz. Die Straßen werden, je weiter es in den Norden geht, immer leerer und schmaler …

Juva

Juva (historisch Jukainen,schwedisch historisch Jockas) ist eine Gemeinde mit 6421 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2016) in Ostfinnland. Sie liegt in der Landschaft Savo, 40 km östlich der Stadt Mikkeli und 55 km westlich von Savonlinna an der Staatsstraße 5. Juva ist ausschließlich finnischsprachig.*

Kerstin liest gerade, das ein ausgewachsener Elchbulle bis 800kg wiegen und das Geweih eine Spannweite bis zu 2m haben kann, als eine WhatsApp-Nachricht von Roy eintrifft. Eine Standortmeldung, die endlich einen Erfolg verheißt. Zu diesem Ziel steuern wir, kommen direkt zu einen Campingplatz, checken ein, finden den Stellplatz und werden nun für eine Woche mit 3 Familien und 3 Mobilen unterwegs sein.

Der Platz liegt mitten in einem Wald, an einem See. Das Wasser ist kalt, über den Schatten der Bäume freuen wir uns im Moment. Es ist aber sonst recht frisch. Man sitzt auch gut im Windschatten der Reisemobile. (Der Platz bei googlemaps)

Nun sitzen wir endlich zusammen. Mit Andrea, Roy und Gina und Silvia, Karsten, Jonas und Armin sind wir nun die neue Reisegruppe. Wir haben schon einige Zeit miteinander verbracht. Zum Teil sehen wir uns im Urlaub, zum Teil privat. 
(2013 verbrachten wir zusammen in Schweden am Göta-Kanal)

die finnische Sauna

Als wir die Stühle ausgeräumt haben, am Tisch sitzen und langsam „herunterfahren“, kommt die Idee auf jetzt gleich noch einen finnischen Saunabesuch zu starten.  Gedacht – getan!

Die Sauna ist ein elementarer Bestandteil der finnischen Kultur. Die in fast jedem Haus (auch Miets- und Ferienhäusern) vorhandene Privatsauna dient der Entspannung und Körperreinigung. In der traditionellen Form ersetzt die Sauna das Badezimmer, d. h. die komplette Körperreinigung findet dort statt, in modernen Wohnhäusern werden teilweise Badezimmer und Sauna zusammengelegt. Wenn in früherer Zeit ein neues Haus angelegt wurde, wurde zuerst das Saunagebäude errichtet. Die Sauna war der einzige Raum, in dem es heißes Wasser gab, außerdem der sauberste und sterilste, weshalb dort auch die Kinder geboren wurden. Babys werden schon frühzeitig mit in die Sauna genommen, was in Maßen medizinisch unbedenklich ist.*

Die finnische Holzsauna liegt idyllisch am See, wird tatsächlich mit Holz geheizt, das im Vorraum des kleinen Saunahäuschens aufgestapelt bereitliegt. Der Aufguss wird wahlweise mit kaltem oder heißem, aber nur mit klarem Wasser gemacht.

Ein großer Bottich steht auf dem Ofen in dem Wasser erwärmt wird, kaltes Wasser steht im Bottich auf dem Boden. Keinem Finnen würde es einfallen etwas anderes als Wasser zum Aufguss zu verwenden! 
In keiner finnischen Sauna haben wir je eine Uhr oder ein anderes „Zeitmessgerät“ entdeckt. Alles in der Sauna ist locker und entspannt. Es ist eng und heiß, aber gleichzeitig angenehm und ungezwungen. Kein Schild hängt da:
„kein Schweiß aufs Holz“ oder „Badelatschen vor der Tür abstellen„…
Hier braucht auch niemand herum „wedeln“, wenn er den Aufguss gemacht hat. Es genügt der einfache Aufguss und die Hitze schlägt in diesen kleinen Räumen erbarmungslos zu.

Beim nächsten Saunabesuch in Deutschland werde ich lächelnd daran denken … vor allem, wenn der Aufguss aus erfrischendem Fichtennadelduft besteht und seine belebende und verjüngende Wirkung entfalten soll.

Nach dem Saunagang führt uns ein Weg aus Holzplanken durch den Wald zum Steg und ein erfrischendes Bad im eisig kalten See ersetzt das Tauchbecken – wunderbar.

Eine Stunde haben wir die Sauna (15,-€) gemietet und genutzt – danach sind wir aber echt KO und schon aus diesem Grund wird es heute kein langer Abend mehr. 
14°C verleiten jedoch auch niemanden mehr noch lange draußen zu sitzen. Durch leichten Wind wird es außerdem empfindlich kalt. Da können wir uns schön ins Bett kuscheln und wir schlafen wunderbar tief und fest.


Unsere heutige Tour in graphischer Darstellung:

mit dem Wohnmobil durch Finnland
ca. 410 Kilometer, Fahrzeit ca. 6 Stunden


Montag, 20.Juli 2015, 4. Tag

Kurz vor 8°° Uhr sind wir auch wach geworden. Wir haben so gut geschlafen! Eine Ruhe ist hier auf dem Platz! Auch das Frühstück war für 8°° Uhr festgelegt und es passt gut.

Unsere weitere Reise haben wir gestern schon besprochen und irgendwann starten wir. Das Ziel steht fest, heute sind 210 Km zurückzulegen. „Google maps“ kennt die Strecke, die wir fahren möchten. Es soll heute überwiegend auf Nebenstraßen Richtung  Norden gehen. Es geht zügig voran auf den Landstraßen sind wir mit 80 Km/h unterwegs, aber keinesfalls ein Hindernis. Obwohl PKW auf den Landstraßen 100 Km/h fahren dürfen, bleiben sie hinter uns und überholen gar nicht. Diese Gelassenheit hier im Norden ist einfach bemerkenswert. Das Wetter wird langsam schlechter und die Kilometer rauschen nur so dahin.

Räucherlachs

Ein Parkplatz ist ausgeschildert und über Funk beschließen wir anzuhalten und eine kleine Pause zu machen.

Auf dem Rastplatz steht ein mobiler „Lachs-Imbiss“ der originellen Art, hier entsteht Räucherlachs. Über dem offenen Feuer wird der Lachs sehr schmackhaft und zart zubereitet.

Die Straßen Finnlands bieten nur wenig Abwechslung. Es geht – Finnlandtypisch – immer durch Wald. Rechts und links der Straße ist oft ein breiter, stets gemähter, Grasstreifen zu den Bäumen. Sicher, um Wildtiere schneller erkennen zu können. Der grobe Straßenbelag lässt unsere Reifen oft laute Abrollgeräusche machen.

Rast in der Natur Finnlands

Irgendwann ist im Navi ein kleiner Platz zu sehen, an dem wir eine Pause einlegen können, einen Kaffee trinken oder eine Kleinigkeit essen können. Direkt an einer Brücke führt ein Weg hinab an einen Fluss. Alles hier erinnert an einen ehemaligen Fähranleger. Die Sonne scheint und es ist wunderbar ruhig. Hier bleiben wir stehen und machen eine Kaffee-Pause, die Kinder bringen die Angel in Aktion und die Sonne wird genossen.

Als es weitergeht sind es nicht mal mehr 80 Km bis zu dem Platz, den wir auf der Karte herausgefunden haben. Das Wetter war gerade noch bestens und wir konnten die Sonne genießen. Auch als wir losfahren scheint sie, doch schon nach wenigen Kilometern schlägt das schöne Wetter komplett um. Ein Regenschauer zieht übers Land und ist so schnell wieder verschwunden, wie er gekommen ist. Auch das erleben wir nicht zum letzten Mal in Finnland.

Irgendwann biegen wir von der Landstraße ab und fahren durch einen Wald. Der Campingplatz taucht einfach im Wald auf und wir trauen unseren Augen nicht. Hinter den Bäumen schimmert der See. Bis fast an den Strand können wir fahren, dabei mitten im Wald stehen und mit Blick auf den See unseren Urlaub genießen. An dem 
Stellplatz, den wir aussuchen, liegen schon Steine, um ein Lagerfeuer zu machen. Holz liegt überall zum Verbrauch gestapelt herum. Das ist richtig schön hier! Da die Rezeption nicht besetzt ist, fahren wir erst einmal auf den auserkorenen Platz.

Loma-Koli Camping

die Fahrt von der Rezeption zum Stellplatz

Kaum stehen die Mobile, sind die Kinder im Wasser, die Stühle aufgestellt, Kaffee gekocht und Kuchen und Kekse zum Verzehr bereit. Das Wasser dieses Sees ist kalt und hat wieder diese rot-braune Farbe. Wir beide, Kerstin und ich, gehen nun erst einmal über den Platz und sehen ihn an. Es ist sehr idyllisch hier. Eine Straße endet direkt im Wasser und wird im Winter sicherlich eine dieser vielen Eisstraßen hier in Finnland.

finnische Eisstraßen

Eisstraßen sind Verkehrswege, die über zugefrorene Seen, Flüsse oder Meeresgewässer führen. In Ländern, in denen die klimatischen Bedingungen es zulassen, wie Schweden, Finnland, Estland, Kanada, den Vereinigten Staaten oder Russland, werden im Winter bei geeigneten Witterungsverhältnissen Eisstraßen eingerichtet. Diese können über vereiste Gewässer führen und somit Fährstrecken ersetzen. So richtet etwa die finnische Straßenverwaltung im Winter regelmäßig eine sieben Kilometer lange offizielle Eisstraße über den Pielinen-See ein, durch die sich die Entfernung zwischen Lieksa und Koli mehr als halbiert.*

Im Wald versuchen wir unser Glück beim Pilze finden – es klappt nicht so richtig. Irgendwann kommt der Platzverwalter und unsere Miete kann entrichtet werden. (wir haben ihn angerufen, denn die Rezeption blieb ewig leer) 
Für ihn ist selbstverständlich, das alles zu benutzen ist, was wir sehen. Grillhütten, Boote, Feuerstellen, Holzscheite und Unterstände, der Strand oder die vielen, vielen Blaubeeren  sind für alle Camper da. Wir sollen uns einfach wohlfühlen. 
Eine Nacht kostet hier für uns beide und ein Mobil ohne Strom 17,50€. (es gibt auch Plätze mit Strom!)
Auf unseren Plätzen gibt es keinen Strom und die sanitären Anlagen sind nicht nah, doch Strom brauchen wir für diese eine Nacht ‚eh nicht und am Wasser stehen ist einfach toll. Zum Abend füllt sich der Platz, doch es bleibt ruhig und sehr angenehm.

Die Kinder sind gut beschäftigt. Zum Einen sollen sie Stöcke suchen und schnitzen für das Stockbrot am Feuer heute Abend und zum Zweiten ist ein Wald und ein See hier und das allein reicht eigentlich schon aus. Die Sonne scheint, am Strand kann man sich bräunen – was will man mehr?

Abendbrot am See

Irgendwann gibt es Abendbrot. Der Grill ist an und mit Salat und Kartoffelecken schmeckt das Grillfleisch vorzüglich vor einem wunderschönen Panorama. Über dem gerade entfachtem Feuer werden Würstchen und Stockbrot geröstet. Später kommen noch Marschmellos über Feuer und Glut.

Es ist ein angenehmer Abend. Die Temperaturen sind in Ordnung und Gesprächsthemen finden sich immer reichlich. So können wir noch eine ganze Zeit zusammensitzen bevor wir eine ruhige Nacht verbringen.


Unsere heutige Tour in graphischer Darstellung:

mit dem Reisemobil durch Finnland
ca. 230 Kilometer, Fahrzeit ca. 4 Stunden

Hier geht es weiter, morgen kommen wir nach
Kajaani, Manamansalo, zu einem Steinzeitdorf und Närrä



* Zitat Wikipedia